Der Sandhaufen ist unverwechselbar: Der ringelförmig aufgehäufte Ausgang der Wattwurmröhre

Des Anglers liebste Beute – der Wattwurm in Boltenhagen!

Sie stehen gern in den flachen Gewässern der Wohlenberger Wiek oder bei ablandigem Wind auch am Strand von Boltenhagen. Ihre Waffe: Ein Plümper, der gern auch mit einem Besenstiel verlängert wird und somit zu einem gefährlichen Instrument wird. Das Opfer: Watti, der dicke Wattwurm.

Nach einigen schweißtreibenden Bewegungen wird Watti erobert. Der Täter, der gemeine deutsche Angler, guckt verzückt auf seine Beute und befördert sie pietätlos in sein Marmeladenglas.

Wir wollen auch mal verzückt gucken, und sehen uns das Opfer der Begierde näher an:

Arenicola marina – der Wattwurm stellt sich vor!

Der Lebensraum des Wattwurms ist vor allem das Wattenmeer. Aber auch an bestimmten Stellen in der Ostsee ist er zu finden. So kennen wir ihn aus dem Bereich Wohlenberger Wiek und auch aus dem Strandbereich von Boltenhagen. Watti wird zwischen 20 und 40 cm lang. Im vorderen fingerdicken Abschnitt von seinem langen Corpus befinden sich fast alle Organe. Das hintere Ende ist wesentlich dünner, hier befindet sich nur der Darm. Das Gewicht von Watti schwankt zwischen 40 – 50 Gramm.

Watti hat Hunger!

Man mag es kaum glauben, aber auch ein Wattwurm hat Hunger. Er ist sehr genügsam und gibt sich mit folgendem Menü zufrieden: Frühstück – Sand, Mittag – Sand, Abendbrot – Sand.

Selbst an Sonn- und Feiertagen, wenn anderswo anständig getafelt wird, gibt es bei ihm zum Brunch – Sand. Naja, wem schmeckt´s. Watti filtert aus dem Sand die organischen Stoffe heraus, diese werden dann von ihm verwertet.

Ein verantwortungsvoller Job!

Unser Wattwurm macht und tut. Ein einzelner Wurm kann bis zu 25 kg Sand in einem Jahr filtern.

Er gräbt sich in den Sandboden durch Röhren (bis 6 mm dick) bis zu einer Tiefe von 20 bis 30 cm ein. Durch seine ständigen Grabungen wälzt er den Sandboden um.

Watti kommt alle 30 bis 40 Minuten zum Ausgang der Röhre und stößt den verspeisten Sand aus. Wir kennen das Ergebnis, ein kunstvoll aufgetürmter, spaghettiförmiger Sand(kot)haufen. Nachbars Lumpi kann da noch eine Menge lernen.

Wattwurm in der Wohnröhre

Quelle: wikipedia.org | Wattwurm in der Wohnröhre

Wenn Watti sich verliebt!

Ja, Fortpflanzung ist wichtig und so folgt auch unser Wattwurm umtriebig seinen Trieben. Im Alter von 2 Jahren ist er geschlechtsreif. Die Befruchtung erfolgt extern, also außerhalb des Körpers. (Tja, haste eben Pech gehabt!) Dafür lieben die Watti´s den Vollmond im Oktober. Papa Wattwurm entledigt sich dann seines Spermas in das Wasser. Wenn das Sperma bei Mama Wattwurms Wohnröhre vorbeischwimmt, gibt die nachkommenswillige Dame ihre Eier ab. Die Eier bleiben in der Röhre der werdenden Mama, bis daraus die Jungtiere geschlüpft sind. Die Jungtiere schwimmen in das freie Wasser und graben sich eigene Wohnröhren.

Sand(kot)haufen der Wattwürmer von der Seebrücke aus fotografiert.

© brunsK | Sand(kot)haufen der Wattwürmer von der Seebrücke aus fotografiert.

Hat der Wattwurm Feinde?

Leider ja. Der Hauptfeind ist der Angler in Boltenhagen, der im Wattwurm einen wundervollen Köder für Scholle, Flunder, Aal und Dorsch findet. Daher der verzückte Gesichtsausdruck, den wir am Anfang unseres Artikels erwähnten. Diese Freude gilt nämlich nicht direkt dem Wattwurm, sondern dem Getier, das sich mit dem Wurm fangen lässt.

Ein weiterer Feind sind Vögel wie der Austernfischer, der mit seinem spitzen langen Schnabel gut in die Röhre gelangt und den Wurm herauszupfen kann. Übrigens, der Wattwurm kann, bevor er gänzlich gefressen wird, sein vom Vogel gefasstes Schwanzende abstoßen. Dadurch kann er sich tiefer in seine Röhre zurückziehen und damit sein Leben retten.

Wie kann man den Wattwurm nun plümpern?

Wir fragen am besten die Angler; dazu haben wir einen tollen kleinen Film bei youtube gefunden. Hier ist er:

 

Begleitend zu unserem Artikel möchten wir Ihnen zwei kleine Videos nicht vorenthalten, die wir zum Thema Wattwurm gefunden haben:

Wenn Sie das nächste Mal in der Ostsee in Boltenhagen baden gehen, grüßen Sie mir den Wattwurm Watti.

Aus unserer Reihe „Bewohner der Ostsee“ sind bereits erschienen: